Niederschlesien










Wappen Niederschlesiens




Wappen Niederschlesiens
(19. Jahrhundert)




Karte von Niederschlesien von Jonas Scultetus (1645)





Unterrichtungstafel „Niederschlesien“ an der A 4


Niederschlesien (schlesisch: Niederschläsing; polnisch: Dolny Śląsk) ist der nordwestliche Teil der Region Schlesien. Es erstreckt sich um den Mittellauf der Oder. Heute liegt Niederschlesien zum größten Teil in Polen. Die Hauptstadt der Region ist Breslau.




Inhaltsverzeichnis






  • 1 Geschichte


  • 2 Bedeutende Städte


  • 3 Wirtschaft und Infrastruktur


    • 3.1 Polnischer Anteil


    • 3.2 Deutscher Anteil




  • 4 Literatur


  • 5 Siehe auch





Geschichte |


Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die preußische Provinz Niederschlesien im Februar 1945 von der Roten Armee besetzt und kurz darauf unter polnische Verwaltung gestellt. Soweit die Bewohner nicht aus den Städten und Dörfern geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit vertrieben und durch Polen ersetzt.


Die Vertreibungen erfolgten in dem östlich der Neiße gelegenen Teil Niederschlesiens. Im deutsch-polnischen Grenzvertrag von 1990 wurde in diesem Zusammenhang ein Gewaltverzicht vereinbart. Bei der Neugliederung der Woiwodschaften 1999 wurden die historischen Grenzen Niederschlesiens teilweise wieder berücksichtigt.


Der polnische Teil Niederschlesiens ist hauptsächlich in die Woiwodschaften Niederschlesien und Oppeln unterteilt, kleine Teile gehören zur Woiwodschaft Lebus.


Niederschlesien entwickelt sich wirtschaftlich positiv, besonders erfolgreich ist Breslau. Die Stadt und ihre Umgebung zählen zu den beliebtesten Investitionsstandorten Polens. In Breslau entstand bis zur Inbetriebnahme im März 2012 ein neuer internationaler Terminal des Nikolaus-Kopernikus-Flughafens.


Der deutsche Teil der ehemaligen Provinz Niederschlesien ist heute nach mehreren Kreisgebietsreformen auf die sächsischen Landkreise Bautzen und Görlitz sowie auf den brandenburgischen Landkreis Oberspreewald-Lausitz verteilt.


Kromlau, Jämlitz und Tschernitz gehörten über Jahrhunderte hinweg zum Herzogtum Sagan und waren schlesische Exklaven in der Lausitz, bis sie nach 1815 bei einer Grenzbereinigung in die Provinz Brandenburg umgegliedert wurden. Noch länger, nämlich bis 1945, gehörte Pechern – in einem über die Neiße reichenden Zipfel des Herzogtums Sagan – zu Schlesien.



Bedeutende Städte |









































































































































































































Deutscher Name
Polnischer Name

Schlesischer Name
Einwohner
(2012)

Beuthen an der Oder

Bytom Odrzański
Beuthn on derr Auder
4.437

Breslau

Wrocław
Brassel/Gruß Brassel
631.377

Bunzlau

Bolesławiec
Bunzel
39.992

Frankenstein

Ząbkowice Śląskie
Franksteen
15.904

Glatz

Kłodzko
Glootz/Glooz/Gloatz
28.517

Glogau

Głogów
Glauge
69.127

Goldberg in Schlesien

Złotoryja
Gulprich
16.447

Grünberg in Schlesien

Zielona Góra
Grienberg
119.182

Guhrau

Góra
Guhre
12.509

Hirschberg im Riesengebirge

Jelenia Góra
Herschbrig/Herschbrich
83.097

Jauer

Jawor
Jauer
24.150

Landeshut in Schlesien

Kamienna Góra
Landshut
20.448

Lauban

Lubań
Laubn
22.194

Liegnitz

Legnica
Liegnz
102.708

Lüben

Lubin
Liebn
74.886

Löwenberg

Lwówek Śląski
Lamrich
9.364

Militsch

Milicz
Militsch
11.931

Neumarkt in Schlesien

Środa Śląska
Neumorkt/Neumoarkt
9.239

Oels

Oleśnica
Oels
37.237

Ohlau

Oława
Ohle
32.022

Ost-Görlitz

Zgorzelec
Ust-Gerltz
32.332

Primkenau

Przemków
Primkenau
8.555

Polkwitz

Polkowice
Polkwitz
22.730

Reichenbach im Eulengebirge

Dzierżoniów
Reichenboch
34.704

Sagan

Żagań
Sagan
26.188

Schweidnitz

Świdnica
Schweinz
60.023

Sprottau

Szprotawa
Sprottau
21.164

Strehlen

Strzelin
Strahla
12.589

Trebnitz

Trzebnica
Trepnitz
12.727

Waldenburg

Wałbrzych
Walmbrig/Walmbrich
119.216

Wohlau

Wołów
Wohle
12.605

Zobten am Berge

Sobótka
Zota
7.027


Wirtschaft und Infrastruktur |



Polnischer Anteil |


Die traditionelle Verkehrsachse Niederschlesiens ist die Oder sowie parallel zu ihr verlaufende Straßen. Viele Städte sind historisch an Stellen entstanden, an denen die Oder überquert werden konnte. Von Westen nach Osten verlief außerdem die Via Regia. In Nord-Süd-Richtung wird das Gebiet von der alten Bernsteinstraße durchquert. 1846 wurde die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn erbaut, die Berlin mit Breslau verband. Im Jahr 1847 wurde Görlitz aus Richtung Osten von Breslau-Kohlfurt her erreicht, wodurch eine durchgehende Verbindung von Breslau nach Dresden entstand. Die gebirgigen Regionen in Südschlesien wurden durch die Schlesische Gebirgsbahn erschlossen, im Norden wurden durch die Breslau-Schweidnitz-Freiburger Eisenbahn-Gesellschaft bedeutende Verbindungen geschaffen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewannen die Verbindungen ins polnische Kernland wie beispielsweise über Łódź oder alternativ über Posen nach Warschau sowie die Verbindung Breslau-Stettin an Bedeutung. Daneben bestehen Autobahnen und Schnellstraßen wie die A4, A8 und A18. In Zielona Góra-Babimost (Grünberg-Bomst) und Breslau bestehen Flughäfen.



Deutscher Anteil |


Zentrum des heute deutschen Anteils an Schlesien ist Görlitz, wo die Bundesautobahn 4 die Neiße überquert. 1847 wurde die Bahnstrecke Dresden–Görlitz eröffnet. Der Bahnhof Görlitz wird von Eisenbahnverbindungen aus Berlin, Dresden und Zittau sowie von Verbindungen aus Richtung Polen erreicht.



Literatur |


in der Reihenfolge des Erscheinens



  • Robert Semple: Observations made on a tour from Hamburg through Berlin, Gorlitz, and Breslau, to Silberberg; and thence to Gottenburg. London 1814 (Digitalisat).


  • Joseph Partsch: Schlesien. Eine Landeskunde für das deutsche Volk. Verlag Ferdinand Hirt, Breslau

    • Bd. 1: Das ganze Land. 1896 (Digitalisat).

    • Bd. 2: Landschaften und Siedlungen. 1911 (Digitalisat).



  • Ernst Bahr, Kurt König: Niederschlesien unter polnischer Verwaltung. Metzner, Frankfurt/Main 1967.

  • Karl Martin Born: Regionen in Europa und der Fall Schlesien. In: Europa regional, Bd. 6. Leibniz-Institut für Länderkunde, Leipzig 1998, Heft 3, S. 23–33.

  • Friedhelm Pelzer: Polen (= Wissenschaftliche Länderkunden, Band 36). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1991.

  • Sebastian Siebel-Achenbach: Niederschlesien 1942 bis 1949. Alliierte Diplomatie und Nachkriegswirklichheit. Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, Würzburg 2006, ISBN 3-87057-274-4.

  • Paweł Zimniak: Niederschlesien als Erinnerungsraum nach 1945. Literarische Fallstudien. Neisse-Verlag, Dresden 2007, ISBN 978-3-934038-97-4.

  • Lucyna Harc et al.: Cuius Regio? Ideological and Territorial Cohesion of the Historical Region of Silesia (c. 1000–2000). Wydawnictwo eBooki.com.pl, Wrocław [Band 3 noch nicht erschienen]

    • Bd. 1: The Long Formation of the Region Silesia (c. 1000–1526). 2013, ISBN 978-83-927132-1-0 (online).

    • Bd. 2: The Strengthening of Silesian Regionalism (1526–1740). 2014, ISBN 978-83-927132-6-5 (online).

    • Bd. 4: Region Divided: Times of Nation-States (1918–1945). 2014, ISBN 978-83-927132-8-9 (online).



  • Adrienne Bier: Und auf einmal mussten wir weg. Erleben und Erinnern von Flucht und Vertreibung aus Niederschlesien 1945. Turris Verlag, Cochem 2018, ISBN 978-3-9817144-4-9.



Siehe auch |



  • Dreigräben

  • Woiwodschaft Niederschlesien

  • Ślęża




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